Sicherheitsschuhe erklärt: Was bedeuten die Schutzklassen?
Kurz gesagt:
S1 eignet sich für trockene Innenbereiche, S1P zusätzlich bei Durchtrittgefahr, S2 bei Feuchtigkeit, S3 für Baustellen, S5 für nasse Stiefel-Einsätze und S7/S7L/S7S für wasserdichte Sicherheitsschuhe nach neuer Norm.
Sicherheitsschuhe gehören zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und sind in vielen Branchen in Österreich gesetzlich vorgeschrieben. Ob auf der Baustelle, in der Metalltechnik, im Lager oder bei Montagearbeiten: Die richtige Sicherheitsklasse schützt vor Verletzungen und reduziert Arbeitsunfälle.
Doch was bedeuten eigentlich Bezeichnungen wie S1, S3 oder S7? Welche Sicherheitsklasse ist für welchen Einsatzbereich geeignet? Und worin liegt der Unterschied zwischen Sicherheits- und Arbeitsschuhen?
Dieser Beitrag erklärt die aktuellen Schutzklassen nach EN ISO 20345:2022 verständlich und praxisnah – speziell für österreichische Arbeitsbedingungen.
Was ist die EN ISO 20345?
Die EN ISO 20345 ist die europäische Norm für Sicherheitsschuhe. Sie definiert die Anforderungen an Schuhe mit Zehenschutzkappe, die den Fuß vor Stoß- und Druckbelastungen schützen.
Die aktuelle Version EN ISO 20345:2022 bringt neue Schutzklassen und Zusatzkennzeichnungen mit sich – darunter S7, S7L und S7S.
Wichtige Punkte der Norm:
- Zehenschutzkappe mit Schutzwirkung bis 200 Joule
- Anforderungen an:
- Rutschhemmung
- Wasserschutz
- Durchtrittschutz
- Energieaufnahme
- Laufsohlen
- Haltbarkeit
In Österreich sind diese Normen besonders relevant für:
- Bauunternehmen
- Metalltechnik
- Industrie
- Lager & Logistik
- Montagebetriebe
- Kommunalbetriebe
- Handwerk
Warum sind Sicherheitsklassen so wichtig?
Österreichische Sicherheitsvorschriften und Arbeitsschutzbestimmungen verpflichten Arbeitgeber dazu, geeignete PSA bereitzustellen.
Die Wahl der falschen Sicherheitsklasse kann:
- das Unfallrisiko erhöhen
- zu Problemen bei Arbeitsinspektionen führen
- Versicherungsthemen verursachen
- die Arbeitssicherheit gefährden
Besonders auf Baustellen mit wechselnden Wetterbedingungen sind Eigenschaften wie:
- Rutschhemmung
- Wasserdichtigkeit
- Durchtrittschutz
entscheidend.
Unterschied zwischen Arbeitsschuhen und Sicherheitsschuhen
Arbeitsschuhe
Arbeitsschuhe bieten Komfort und teilweise Schutzfunktionen, besitzen jedoch keine zertifizierte Zehenschutzkappe.
Geeignet für:
- leichte Tätigkeiten
- Büro/Lager ohne Risiko
- Innenbereiche
Sicherheitsschuhe
Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 erfüllen geprüfte Schutzstandards für den Arbeitsalltag und werden je nach Einsatzbereich in unterschiedliche Klassen eingeteilt.
Geeignet für:
- Baustellen
- Werkstätten
- Industrie
- Montage
- Schweißarbeiten
- Lagerlogistik
Sicherheitsklassen einfach erklärt
Die Sicherheitsklassen von Sicherheitsschuhen nach EN ISO 20345 geben an, welche Schutzfunktionen ein Schuh bietet. Je höher die Klasse, desto umfangreicher ist in der Regel der Schutz – etwa gegen Nässe, Durchtrittsverletzungen oder rutschige Untergründe.
SB – Der Basisschutz
Die Klasse SB erfüllt die grundlegenden Anforderungen an Sicherheitsschuhe und verfügt über eine Zehenschutzkappe. Sie eignet sich vor allem für einfache Tätigkeiten mit geringem Risiko.
SB E FO – Mehr Komfort und Sohlenbeständigkeit
Diese Variante ergänzt die Basisklasse um eine bessere Energieaufnahme im Fersenbereich sowie eine öl- und kraftstoffbeständige Laufsohle. Häufig eingesetzt in Werkstatt, Lager oder leichten Industrieanwendungen.
S1 – Für trockene Innenbereiche
S1 Sicherheitsschuhe bieten zusätzlichen Komfort und antistatische Eigenschaften. Sie werden häufig in Lager, Produktion oder Werkstätten verwendet und eignen sich besonders für trockene Arbeitsumgebungen.
S1P – Mit Durchtrittschutz
Die Klasse S1P erweitert S1 um einen Durchtrittschutz gegen Nägel oder scharfkantige Gegenstände. Ideal für Handwerk, Montage oder Innenausbau.
S2 – Schutz bei Feuchtigkeit
S2 Sicherheitsschuhe besitzen ein wasserabweisendes Obermaterial und eignen sich für Arbeitsbereiche mit gelegentlicher Feuchtigkeit, etwa im Transport oder Außendienst.
S3 – Der Baustellenstandard
Die Klasse S3 kombiniert wasserabweisende Eigenschaften mit Durchtrittschutz und profilierter Laufsohle. In Österreich zählt S3 zu den am häufigsten verwendeten Sicherheitsklassen – besonders auf Baustellen und im Außenbereich.
S5 – Für harte und nasse Bedingungen
S5 Sicherheitsschuhe sind meist als Sicherheitsstiefel ausgeführt und bieten hohen Schutz bei Nässe, Schmutz und anspruchsvollen Arbeitsbedingungen, etwa im Bau oder in der Landwirtschaft.
S7 – Die moderne Premiumklasse
Die neue Klasse S7 basiert auf der aktuellen EN ISO 20345:2022 und erweitert den Schutz um vollständige Wasserdichtigkeit. Besonders geeignet für Außeneinsätze bei Regen, Schnee oder schwierigen Witterungsbedingungen.
S7L und S7S – Erweiterter Durchtrittschutz
Diese neuen Klassen kombinieren die Vorteile von S7 mit modernem Durchtrittschutz:
- S7L bietet flexiblen Schutz mit größerer Auflagefläche.
- S7S bietet erhöhten Schutz bei besonders scharfkantigen Gefahren.
Beide Varianten eignen sich für anspruchsvolle Einsätze in Bau, Industrie und Metalltechnik.
Unterschied zwischen S3 und S7 / S7L / S7S Sicherheitsschuhen
Die Schutzklasse S3 gilt seit vielen Jahren als Standard für Sicherheitsschuhe auf Baustellen, in der Industrie und im Handwerk. S3 Sicherheitsschuhe verfügen über eine Zehenschutzkappe, einen Durchtrittschutz, antistatische Eigenschaften sowie eine wasserabweisende Oberfläche. Dadurch eignen sie sich besonders für Arbeitsbereiche mit erhöhtem Verletzungsrisiko und wechselnden Witterungsbedingungen.
Mit der neuen Norm EN ISO 20345:2022 wurden zusätzlich die Schutzklassen S7, S7L und S7S eingeführt. Diese Klassen basieren technisch auf der bisherigen S3-Kategorie, bieten jedoch einen entscheidenden Unterschied:
S7 Sicherheitsschuhe müssen vollständig wasserdicht sein. Dadurch eignen sie sich besonders für Arbeiten im Außenbereich, bei Nässe, Regen oder anspruchsvollen Witterungsverhältnissen.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
- S3: wasserabweisend, aber nicht vollständig wasserdicht
- S7: vollständig wasserdicht mit Durchtrittschutz
- S7L: wasserdicht mit flexiblem Durchtrittschutz (PL)
- S7S: wasserdicht mit besonders hohem Durchtrittschutz (PS)
Während S3 Sicherheitsschuhe für viele klassische Baustellen und Handwerksarbeiten ausreichend sind, bieten S7-Modelle zusätzlichen Schutz bei dauerhaft feuchten oder nassen Arbeitsbedingungen.
Was bedeuten PL und PS?
Die neuen Kennzeichnungen PL und PS beschreiben die Art des Durchtrittschutzes:
- PL: Schutz gegen größere Gegenstände wie Nägel oder Schrauben
- PS: erhöhter Schutz auch gegen kleinere, spitze Gegenstände
Dadurch eignen sich S7L und S7S besonders für Industrie, Metalltechnik und anspruchsvolle Baustelleneinsätze.
Wann eignet sich welche Schutzklasse?
- S3: Baustelle, Lager, Handwerk, Industrie
- S7: Außenbereiche mit Nässe und Schlechtwetter
- S7L: Montage und bewegungsintensive Arbeiten
- S7S: schwere Industrie, Metalltechnik, Hochrisikobereiche
Kurz erklärt
S3 Sicherheitsschuhe sind der bewährte Standard für viele Arbeitsbereiche.
S7, S7L und S7S sind die moderne Weiterentwicklung mit vollständig wasserdichtem Schutz nach der aktuellen EN ISO 20345:2022 Norm.
Sicherheitsklassen im Vergleich
Kurzentscheidung
- S1: trockene Innenbereiche
- S1P: Innenbereiche mit Durchtrittsrisiko
- S2: feuchte Arbeitsbereiche
- S3: Baustelle und Handwerk
- S7: wasserdichte Sicherheitsschuhe für Außenbereiche
| Schutzklasse | Eigenschaften | Geeignet für | Typische Einsatzbereiche |
|---|---|---|---|
| SB | Zehenschutzkappe | leichte Arbeiten | Besucherbereiche, einfache Tätigkeiten |
| S1 | Zehenschutz + antistatisch + Energieaufnahme | trockene Innenbereiche | Lager, Produktion, Industrie |
| S1P | wie S1 + Durchtrittschutz | Handwerk & Montage | Werkstatt, Montagearbeiten |
| S2 | wie S1 + wasserabweisend | feuchte Arbeitsbereiche | Transport, Außendienst |
| S3 | wie S2 + Durchtrittschutz | Baustellen & Handwerk | Bau, Metalltechnik, Industrie |
| S5 | wasserdichter Sicherheitsstiefel mit Durchtrittschutz | stark nasse Umgebungen | Tiefbau, Landwirtschaft |
| S7 | wasserdicht + Durchtrittschutz | Außenbereiche | Baustellen, schwere Einsätze |
| S7L | wie S7 + flexibler Durchtrittschutz (PL) | bewegungsintensive Arbeiten | Montage, Industrie |
| S7S | wie S7 + erhöhter Durchtrittschutz (PS) | schwere Industrie | Metalltechnik, Bau |
Zusatzkennzeichnungen erklärt:
| Kennzeichnung | Bedeutung |
|---|---|
| FO | öl- und kraftstoffbeständige Sohle |
| E | Energieaufnahme im Fersenbereich |
| P | Durchtrittschutz |
| PL | Durchtrittschutz mit größerer Auflagefläche |
| PS | verbesserter metallfreier Durchtrittschutz |
| WR | wasserdicht |
| WPA | Wasserpenetrationsschutz |
| SR | Rutschhemmung |
Welche Schutzklasse passt zu meiner Arbeit?
Bau
Empfehlung: S3 oder S7
Ideal für Baustellen, Rohbau und Außenarbeiten.
Metalltechnik
Empfehlung: S3 oder S7S
Besonders wichtig bei scharfkantigen Metallteilen und Schweißarbeiten.
Lager
Empfehlung: S1 oder S1P
Leicht, komfortabel und ausreichend für Innenbereiche.
Produktion
Empfehlung: S1P oder S2
Abhängig von Feuchtigkeit und Bodenbedingungen.
Elektro
Empfehlung: spezielle ESD-geeignete Modelle
Oft auf Basis S1 oder S1P.
Transport
Empfehlung: S2
Komfort und Feuchtigkeitsschutz stehen im Vordergrund.
Montage
Empfehlung: S1P oder S7L
Gute Beweglichkeit und Durchtrittschutz.
Werkstatt
Empfehlung: SB E FO oder S1
Für klassische Werkstattarbeiten.
Außenbereich
Empfehlung: S3 oder S7
Optimal bei Nässe und wechselndem Wetter.
Kommunalbereich
Empfehlung: S3, S5 oder S7
Je nach Saison und Einsatzgebiet.
FAQ – Häufige Fragen zu Sicherheitsklassen
Was bedeutet S3 bei Sicherheitsschuhen?
S3 Sicherheitsschuhe sind die richtige Wahl für Baustellen und anspruchsvolle Arbeiten im Freien. Sie schützen nicht nur die Zehen, sondern auch vor Nägeln oder scharfen Gegenständen am Boden und halten Feuchtigkeit besser ab.
Was ist der Unterschied zwischen S3 und S7?
S7 Sicherheitsschuhe sind zusätzlich vollständig wasserdicht (WR), während S3 nur wasserabweisend ist.
Sind S7 Sicherheitsschuhe wasserdicht?
Ja. S7 Modelle erfüllen die WR-Anforderung und sind dauerhaft wasserdicht.
Wann brauche ich Durchtrittschutz?
Bei Arbeiten auf Baustellen, in Werkstätten oder im Metallbereich mit Nägeln, Schrauben oder scharfkantigen Materialien.
Was bedeutet FO?
FO steht für öl- und kraftstoffbeständige Sohlen.
Welche Sicherheitsschuhe sind auf Baustellen meistens vorgeschrieben?
Meist werden S3 Sicherheitsschuhe verwendet. Bei starkem Nässeeinsatz zunehmend auch S7 Modelle.
Was bedeutet EN ISO 20345?
Die Norm definiert Anforderungen an Sicherheitsschuhe mit Zehenschutzkappe.
Welche Sicherheitsklasse eignet sich für Lagerarbeiten?
Für trockene Innenbereiche meist S1 oder S1P.
Fazit: Welche Sicherheitsklasse ist die richtige?
Die Wahl der richtigen Sicherheitsklasse hängt stark vom Einsatzbereich ab. S1 Sicherheitsschuhe werden vor allem in Innenbereichen verwendet – zum Beispiel im Lager, in der Produktion oder in Werkstätten. Sie sind leicht, atmungsaktiv und ideal für trockene Arbeitsplätze. S3 Sicherheitsschuhe bieten deutlich mehr Schutz für Baustellen und Außenarbeiten. Neue Klassen wie S7, S7L und S7S erweitern den Schutz zusätzlich um vollständige Wasserdichtigkeit und moderne Durchtrittschutz-Systeme.
Für die richtigen Arbeitsbedingungen spielen vor allem folgende Faktoren eine wichtige Rolle:
- wechselndes Wetter
- rutschige Untergründe
- Baustellenbedingungen
- Durchtrittgefahr
- lange Tragezeiten
Kurz zusammengefasst:
- SB = Grundschutz
- S1 = Innenbereich
- S1P = Innenbereich mit Durchtrittschutz
- S2 = Feuchtigkeitsschutz
- S3 = Baustellenstandard
- S5 = wasserdichter Sicherheitsstiefel
- S7 = wasserdicht + maximaler Schutz
- S7L/S7S = moderne Premium-Schutzklassen
Wer Sicherheitsschuhe kaufen möchte, sollte daher nicht nur auf Komfort achten, sondern vor allem auf die passende Schutzklasse für den jeweiligen Arbeitsplatz. Hochwertige PSA erhöht Sicherheit, Komfort und Produktivität im Arbeitsalltag.
Passende Sicherheitsschuhe finden
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Wir beraten Sie gerne bei der Auswahl passender Sicherheitsschuhe für Bau, Industrie, Handwerk und Lager.