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Arbeitshandschuhe richtig auswählen: Welcher Handschuh passt zu welcher Tätigkeit?

Ein Handschuhtyp für den ganzen Betrieb? In der Praxis funktioniert das selten. Ein Mitarbeiter im Lager benötigt beim Kommissionieren trockener Kartons vor allem sicheren Griff und gutes Tastgefühl. In der Schlosserei können dagegen scharfkantige Bleche, Grate oder ölige Werkstücke einen geeigneten mechanischen Schutz und ein anderes Griffverhalten erfordern. Bei Schweißarbeiten, Reinigungsarbeiten oder beim direkten Kontakt mit feuchten Baustoffen ändern sich die Anforderungen nochmals deutlich.

Die wichtigste Grundregel lautet daher: Nicht die Branche allein entscheidet über den richtigen Arbeitshandschuh, sondern die konkrete Tätigkeit, die Gefährdung und die Arbeitsbedingungen. Ein Handschuh kann für eine bestimmte Arbeit gut geeignet und wenige Meter weiter am nächsten Arbeitsplatz ungeeignet sein. Die betriebliche Gefährdungsbeurteilung sowie die Angaben des Herstellers bilden deshalb die Grundlage jeder Auswahl.

Kurz erklärt: Sieben Fragen vor der Auswahl

Welche Tätigkeit führen Sie aus? Womit kommen Ihre Hände in Kontakt? Welche Gefahren bestehen? Sind Werkstücke trocken, nass, ölig, rau, scharfkantig, heiß oder kalt? Wie viel Fingerspitzengefühl benötigen Sie? Welche Normen und Leistungswerte sind laut Evaluierung erforderlich? Und welche Größe sitzt sicher, ohne einzuengen oder zu verrutschen?



Entscheidungsgrafik: vom Arbeitsvorgang zur Handschuhgruppe

Schnelle Entscheidungshilfe

Welche Tätigkeit wird konkret ausgeführt?
Bestimmen Sie zuerst, was gegriffen, getragen, montiert, gereinigt oder bearbeitet wird.

Welche Gefährdungen bestehen?
Prüfen Sie mögliche Abrieb-, Schnitt-, Stich-, Chemikalien-, Hitze-, Kälte- oder Hygienerisiken.

Sind Werkstücke trocken, nass, ölig, rau oder scharfkantig?
Wählen Sie Material und Beschichtung passend zu den tatsächlichen Arbeitsbedingungen.

Wie viel Fingerspitzengefühl ist erforderlich?
Für Kleinteile, Schrauben und Bedienelemente ist häufig ein dünnerer, gut sitzender Handschuh notwendig.

Welche Normen und Leistungswerte sind erforderlich?
Prüfen Sie die Gefährdungsbeurteilung, die Herstellerinformationen und die konkreten Leistungswerte des Handschuhs.

Sitzt der Handschuh sicher und bequem?
Bestimmen Sie die passende Größe und testen Sie Griff, Beweglichkeit und Tragekomfort unter realistischen Bedingungen.

Wichtig: Diese Entscheidungshilfe dient nur zur Orientierung. Sie ersetzt weder die betriebliche Gefährdungsbeurteilung noch Herstellerinformationen, Sicherheitsdatenblätter oder Chemikalien-Beständigkeitstabellen.


Warum es nicht den einen Arbeitshandschuh gibt

Hände sind je nach Arbeitsvorgang sehr unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt. Mechanische Einwirkungen können Abschürfungen, Quetschungen, Schnitt- oder Stichverletzungen verursachen. Hinzu kommen mögliche Belastungen durch Chemikalien, biologische Arbeitsstoffe, Hitze, Kälte, Feuchtigkeit oder Vibrationen. Die AUVA weist ausdrücklich darauf hin, dass nicht jeder Handschuh für jeden Einsatz geeignet ist und selbst innerhalb einer Gefährdungsart deutliche Unterschiede bestehen.

Auch das Sortiment von Franz Moser ist nach verschiedenen Materialien und Beschichtungen aufgebaut. Die Kategorieseite nennt unter anderem Strick-, Leder-, Latex-, Einweg-, Winter- und Schweißerhandschuhe sowie Modelle mit PU- oder Nitrilbeschichtung. Diese Gruppen zeigen bereits, dass ein Betrieb je nach Tätigkeit mehrere Lösungen benötigen kann.

Praxisbeispiel:

Ein metallverarbeitender Betrieb hat ein Lager, eine Montage und eine Schlosserei. Beim Bewegen trockener Kartons stehen Griff und Beweglichkeit im Vordergrund. Bei kleinen Schrauben ist gutes Tastgefühl wichtig. Beim Tragen entgrateter, aber rauer Metallprofile steigt die mechanische Belastung. Für scharfkantige Bleche muss zusätzlich der erforderliche Schnittschutz bewertet werden. Ein einziger Handschuh deckt diese Tätigkeiten daher nicht automatisch ab.

Moser-Tipp:

Erstellen Sie nicht nur eine Handschuhliste pro Abteilung, sondern eine einfache Tätigkeitsmatrix. Ein Arbeitsplatz kann mehrere Tätigkeiten umfassen und deshalb mehr als einen geeigneten Handschuhtyp benötigen.


Die konkrete Tätigkeit ist der Ausgangspunkt

Beginnen Sie die Auswahl nicht mit der Frage „Leder oder Nitril?“, sondern mit dem Arbeitsvorgang. Welche Gegenstände werden gehandhabt? Welche Oberflächen liegen vor? Wie lange wird der Handschuh getragen? Muss der Beschäftigte kleine Teile greifen oder kräftig zupacken? Gibt es wechselnde Bedingungen?

Die Arbeitsinspektion verlangt bei der Bewertung von Hand- und Armschutz unter anderem, das notwendige Tastgefühl und Greifvermögen, die Größe, die Stulpenlänge sowie Herstellerangaben zur Schutzwirkung zu berücksichtigen. Bei Chemikalienschutzhandschuhen sind zusätzlich Durchlässigkeit, Durchbruchszeit und Materialbeständigkeit relevant.

Welche Gefahren bestehen am Arbeitsplatz?

Gefährdung Typische Situation Zu prüfende Eigenschaften Wichtige Grenze
Abrieb und raue Flächen Kartons, Stein, Holz oder Metallprofile Abriebfestigkeit, Griffverhalten und Haltbarkeit Abriebfestigkeit ist kein Schnittschutz.
Scharfe Kanten Bleche, Grate und Metallspäne Geeignete Schnittschutzleistung und sichere Passform Schnitthemmend bedeutet nicht schnittfest.
Nässe und Flüssigkeiten Außenarbeit, Mörtelarbeiten oder Reinigung Flüssigkeitsdichtheit, Nassgriff und konkrete Eignung Wasserabweisend ist nicht wasserdicht.
Chemikalien Reinigungsmittel, Lösemittel und Beschichtungsstoffe Beständigkeit gegen den konkreten Stoff und die vorgesehene Kontaktdauer Der Materialname allein genügt nicht.
Hitze und Funken Schweißarbeiten und heiße Werkstücke Geprüfte thermische Eigenschaften und geeignete Stulpenlänge Der Schutz gilt nur innerhalb der geprüften Bedingungen.

Kein Handschuh schützt vor allen Gefahren. Treffen mehrere Risiken zusammen, muss ein genaues Anforderungsprofil erstellt werden. Technische und organisatorische Maßnahmen haben grundsätzlich Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung. Welche Ausführungen dafür zur Verfügung stehen, sehen Sie in unserer Übersicht der Arbeitshandschuhe für unterschiedliche Einsatzbereiche.


Arbeitshandschuhe für Lager und Logistik

Bei Lager- und Transportarbeiten stehen häufig Griff, Beweglichkeit und Abriebfestigkeit im Mittelpunkt. Beim Kommissionieren von Kartons ist meist mehr Fingerspitzengefühl erforderlich als beim Bewegen rauer Paletten. Werden kleine Teile gescannt, sortiert oder verschraubt, darf der Handschuh nicht unnötig dick sein. Bei leicht öligen Bauteilen muss zusätzlich geprüft werden, ob die konkrete Beschichtung unter diesen Bedingungen ausreichenden Griff bietet.

Im Außen- oder Kaltlager kommt Wärmekomfort hinzu. Eine Fütterung kann die Finger warm halten, reduziert jedoch je nach Aufbau das Tastgefühl. Ein gefütterter Handschuh sollte daher nicht pauschal für alle Lagertätigkeiten eingesetzt werden.

Praxisbeispiel:

Ein Lagermitarbeiter hebt trockene Kartons, bedient einen Handscanner und entnimmt Kleinteile. Gefährdungen sind vor allem Abrieb, raue Kartonkanten und mögliches Abrutschen. Benötigt werden guter Trockengriff, Beweglichkeit und genügend Tastgefühl für Scanner und Kleinteile. Ein besonders schwerer oder stark gefütterter Handschuh wäre hier häufig unnötig hinderlich.

Moser-Tipp:

Testen Sie Lagerhandschuhe mit den tatsächlich verwendeten Kartons, Behältern, Scannern und Kleinteilen. Ein guter Griff auf einem Prüfstück sagt noch nicht, wie sich der Handschuh während einer ganzen Schicht bewährt.


Arbeitshandschuhe für Metallverarbeitung und Werkstatt

In Metallbetrieben ändern sich die Anforderungen oft von Arbeitsschritt zu Arbeitsschritt. Entgratete Profile können vor allem Abrieb verursachen. Scharfkantige Bleche und Grate bringen Schnittgefahren mit sich. Bei öligen Maschinenteilen ist ein sicherer Ölgriff wichtig. Für Montagearbeiten müssen Beschäftigte dagegen Schrauben, Muttern oder Messmittel präzise handhaben können.

Bei der EN 388 ist deshalb nicht nur das Vorhandensein des Piktogramms entscheidend. Die einzelnen Leistungswerte müssen mit den ermittelten mechanischen Gefahren abgeglichen werden. Hohe Abriebfestigkeit bedeutet nicht automatisch hohen Schnittschutz.

Besondere Vorsicht gilt bei bewegten oder rotierenden Maschinenteilen. Nach Angaben der österreichischen Arbeitsinspektion ist die Benutzung von Handschutz nicht zulässig, wenn die Gefahr besteht, dass Hände oder Handschuhe von bewegten beziehungsweise drehenden Teilen erfasst werden. Genannt werden unter anderem Ständerbohrmaschinen, Fräsen und Drehmaschinen. Die betriebliche Gefährdungsbeurteilung hat Vorrang.

Praxisbeispiel:

Ein Schlosser transportiert scharfkantige Blechzuschnitte. Neben Abrieb besteht eine konkrete Schnittgefährdung. Der Handschuh muss daher eine zur Evaluierung passende Schnittschutzleistung, sicheren Sitz und ausreichenden Griff bieten. Für die anschließende Bedienung einer laufenden Drehmaschine darf derselbe Handschuh wegen des möglichen Einzugsrisikos nicht einfach weitergetragen werden.

Praxisbeispiel:

Bei der Wartung werden ölbenetzte Maschinenteile ausgebaut. Die Gefährdung besteht aus Abrutschen, mechanischer Belastung und möglichem Kontakt mit Betriebsstoffen. Auswahlkriterien sind Ölgriff, mechanische Eignung und Beständigkeit gegen den tatsächlich verwendeten Stoff. Ölbeständigkeit bedeutet nicht automatisch Beständigkeit gegen Reiniger oder Lösungsmittel.

Schweißen und heiße Werkstücke

Schweißarbeiten benötigen dafür geeignete Schweißerhandschuhe. Zu beachten sind unter anderem Funken, Schweißspritzer, Wärme und die erforderliche Fingerbeweglichkeit. Für Schweißerhandschuhe kann EN 12477 relevant sein; thermische Leistungsangaben werden unter anderem über EN 407 eingeordnet. Entscheidend sind immer die ausgewiesenen Prüfwerte, der konkrete Schweißprozess und die Herstellerinformationen. Hitzeschutz gilt nur innerhalb der geprüften Bedingungen.

Moser-Tipp:

Trennen Sie in der Beschaffung klar zwischen Montagehandschuhen, Schnittschutzhandschuhen und Schweißerhandschuhen. Ähnliche Optik oder robustes Material sind kein Nachweis dafür, dass ein Modell für alle drei Tätigkeiten geeignet ist.


Arbeitshandschuhe für Baugewerbe, Holzbau und Baustelle

Auf Baustellen treffen raue Materialien, wechselnde Witterung und sehr unterschiedliche Arbeitsvorgänge zusammen. Beim Holzbau können Splitter, raue Balken und Schalungsmaterial die Hände belasten. Beim Setzen kleiner Schrauben oder Beschläge ist dagegen mehr Tastgefühl gefragt. Maurer benötigen beim Tragen von Ziegeln und Steinen einen belastbaren Griff und Abriebschutz. Beim direkten Kontakt mit feuchtem Beton oder Mörtel müssen Flüssigkeitsbeständigkeit und die Eignung für den konkreten Stoff geprüft werden.

Leder ist nicht automatisch für nassen Beton geeignet. Lederhandschuhe können bei trockenen, groben Arbeiten robust und angenehm sein. Feuchte Baustoffe können jedoch aufgenommen werden; außerdem ist die chemische und flüssigkeitsbezogene Eignung nicht allein aus dem Material „Leder“ ableitbar. Sicherheitsdatenblatt und Herstellerangaben sind zu berücksichtigen.

Praxisbeispiel:

Ein Zimmerer trägt sägeraues Bauholz. Holzsplitter, raue Oberflächen und Quetschungen beim Ablegen sind die wesentlichen Gefährdungen. Der Handschuh soll robust greifen und ausreichend mechanisch schützen. Beim anschließenden Einsetzen kleiner Beschläge kann ein dünneres Modell mit besserem Tastgefühl zweckmäßiger sein.

Praxisbeispiel:

Ein Maurer mischt Mörtel an und verarbeitet anschließend feuchten Baustoff. Neben Abrieb bestehen Nässe und ein möglicher hautbelastender Stoffkontakt. Ein trockener Lederhandschuh für das Tragen von Ziegeln ist nicht automatisch geeignet. Erforderlich sind eine nach Herstellerangaben passende Flüssigkeitsbeständigkeit, ausreichende Stulpenlänge und sicherer Nassgriff.

Baustellentätigkeit Typische Gefährdung Auswahlkriterien Nicht automatisch geeignet
Balken und Schalung tragen Abrieb, Splitter und raue Oberflächen Robustheit, sicherer Griff und passende Größe Sehr dünne Feinmontagehandschuhe
Kleine Beschläge montieren Leichte mechanische Belastung und mögliches Abrutschen Tastgefühl, Beweglichkeit und sicherer Sitz Unnötig dicke oder steife Handschuhe
Ziegel und Stein tragen Abrieb und raue Kanten Abriebschutz sowie geeigneter Trocken- oder Nassgriff Glatte Handschuhe ohne passendes Griffprofil
Beton und Mörtel verarbeiten Nässe, Abrieb und möglicher hautbelastender Stoffkontakt Konkrete Materialbeständigkeit, Flüssigkeitsdichtheit und geeignete Stulpe Lederhandschuhe allein aufgrund des Materials
Bewehrungsstahl und Bleche handhaben Abrieb sowie Stich- und Schnittgefahren Mechanische Schutzleistung entsprechend der Gefährdungsbeurteilung Allgemeine Bauhandschuhe ohne passende Prüfwerte

Moser-Tipp:

Unterscheiden Sie bei Nässe zwischen gutem Nassgriff, wasserabweisender Oberfläche und tatsächlicher Flüssigkeitsdichtheit. Diese Eigenschaften sind nicht gleichbedeutend.


Arbeitshandschuhe für Reinigung, Chemikalien und Hygiene

Bei Reinigungs- und Chemikalienarbeiten darf die Auswahl nicht allein nach Begriffen wie Latex, Nitril oder Gummi erfolgen. Nitril ist nicht automatisch gegen jede Chemikalie beständig. Wasserdicht bedeutet ebenfalls nicht chemikalienbeständig. Entscheidend sind der konkrete Arbeitsstoff, seine Konzentration, Temperatur, Kontaktdauer sowie die vom Hersteller angegebene Permeation und Materialbeständigkeit.

Eine erste Orientierung kann das Sicherheitsdatenblatt liefern. Danach sind die Beständigkeitstabellen und Gebrauchsinformationen des Handschuhherstellers heranzuziehen. Bei Gemischen oder unklaren Angaben sollte eine belastbare Freigabe vom Lieferanten eingeholt werden.

In Hygiene- und Lebensmittelbereichen geht es zusätzlich um Produktschutz und organisatorische Anforderungen. Einweghandschuhe sind nicht automatisch für jeden Stoff oder jede Tätigkeit geeignet. Die AUVA hält fest, dass Einmalhandschuhe nur für den einmaligen Gebrauch vorgesehen sind.

Moser-Tipp:

Notieren Sie bei Chemikalienanfragen immer Produktname, Konzentration, Temperatur, Kontaktdauer und Art des Kontakts. Erst mit diesen Angaben lässt sich eine Hersteller-Beständigkeitstabelle sinnvoll prüfen.


Materialien von Arbeitshandschuhen im Vergleich

Das Material beeinflusst Beweglichkeit, Feuchtigkeitsverhalten, Abriebfestigkeit und Tragekomfort. Dennoch darf eine Produkteignung nie allein aus dem Materialnamen abgeleitet werden. Aufbau, Trägermaterial, Beschichtung, Dicke, Verarbeitung und Prüfwerte sind gemeinsam zu betrachten.

Materialgruppe Typische Stärken Typische Grenzen Häufige Anwendung
Leder Robust, flexibel und je nach Ausführung für grobe trockene Arbeiten geeignet Begrenztes Tastgefühl; kann je nach Ausführung Feuchtigkeit aufnehmen Holz, Transport und grobe Bauarbeiten
PU-beschichtetes Textil Dünn, beweglich und mit gutem Tastgefühl erhältlich Keine pauschale Flüssigkeits- oder Chemikalienbeständigkeit Montage und trockene Feinhandhabung
Nitrilbeschichtung Je nach Ausführung guter Griff bei Öl und Fett Nicht automatisch gegen Lösungsmittel oder andere Chemikalien geeignet Werkstatt, Montage und Handhabung öliger Teile
Latex Flexibel und je nach Oberflächenstruktur mit gutem Nassgriff Mögliches Allergierisiko und keine pauschale Chemikalieneignung Nasse oder griffige Handhabung je nach Modell
Spezialfasern und Fütterungen Schnitthemmende, wärmende oder hitzeschützende Eigenschaften je nach Aufbau Die jeweiligen Eigenschaften müssen konkret geprüft und ausgewiesen sein Schnittschutz, Kälteschutz oder thermische Risiken

Einen Überblick über die verfügbaren Materialien und Ausführungen finden Sie in unserer Kategorie Handschuhe und Arbeitsschutzhandschuhe.

Wärmekomfort ist nicht gleich Hitzeschutz

Ein Winterfutter kann den Wärmekomfort erhöhen. Daraus folgt jedoch kein geprüfter Kontakthitzeschutz. Ebenso ist ein hitzebeständiges Fasermaterial nicht automatisch für Funken, Flammen und Schweißspritzer freigegeben. Kälteschutz, Kontakthitze und Schweißerschutz sind getrennte Anforderungen.


Beschichtungen und Griffverhalten

Beschichtungen können nur die Fingerkuppen, die Handfläche, Teile des Handrückens oder den gesamten Handschuh bedecken. Eine geringe Beschichtungsfläche erhält häufig mehr Atmungsaktivität. Eine weitergehende Beschichtung kann Flüssigkeitsaufnahme reduzieren, erhöht aber je nach Aufbau die Schweißbildung.

Ausführung Möglicher Vorteil Möglicher Nachteil Vor der Auswahl prüfen
Unbeschichtet Leichte und häufig atmungsaktive Ausführung Begrenzter Griff sowie geringer Schutz gegen Flüssigkeiten Beschaffenheit der Oberfläche und erwartete Abriebelastung
Beschichtete Fingerkuppen Gezielter Griff bei gleichzeitig geringer Beschichtungsfläche Die Handfläche bleibt weitgehend unbeschichtet Tatsächliche Kontaktflächen während der Tätigkeit
Beschichtete Handfläche Griff und Abriebschutz an der hauptsächlichen Kontaktfläche Keine automatische Flüssigkeitsdichtheit Eignung für Trocken-, Nass- oder Ölgriff
Vollbeschichtet Je nach Aufbau geringere Aufnahme von Flüssigkeiten Häufig geringere Atmungsaktivität und stärkere Schweißbildung Dichtheit, vorgesehene Tragezeit und thermischer Komfort

Trockengriff, Nassgriff und Ölgriff sind unterschiedliche Anforderungen. Ein Handschuh, der trockene Kartons sicher hält, kann auf einem ölbenetzten Bauteil deutlich schlechter funktionieren. Wasserabweisend bedeutet nicht wasserdicht. Wasserdicht bedeutet wiederum nicht chemikalienbeständig.


Schutz oder Fingerspitzengefühl?

Zwischen Schutzleistung, Robustheit, Wärme und Tastgefühl besteht häufig ein Zielkonflikt. Dünne Montagehandschuhe können präzises Arbeiten unterstützen, bieten aber nicht automatisch den erforderlichen Schutz gegen scharfe Kanten. Robuste oder gefütterte Ausführungen können bei groben Arbeiten beziehungsweise Kälte sinnvoll sein, erschweren jedoch unter Umständen das Greifen kleiner Teile.

Der dickste Handschuh ist nicht automatisch der geeignetste. Zu viel Material kann das Tastgefühl reduzieren, die Greifkraft erhöhen und zu schnellerer Ermüdung beitragen. Umgekehrt darf ein dünner Handschuh nicht eingesetzt werden, wenn die ermittelte Schutzleistung nicht erreicht wird.

Moser-Tipp:

Lassen Sie mehrere Beschäftigte mit unterschiedlichen Handgrößen einen Praxistest durchführen. Bewertet werden sollten Griff, Tastgefühl, Ermüdung, Schweißbildung und sicherer Sitz – nicht nur der erste Eindruck beim Anziehen.


Normen und Kennzeichnungen verständlich erklärt

Schutzhandschuhe sind mit Hersteller, Produktbezeichnung, Größe und – sofern zutreffend – Normpiktogrammen und Leistungsstufen zu kennzeichnen. Das CE-Zeichen zeigt, dass der Hersteller die Übereinstimmung mit den anwendbaren Anforderungen der europäischen PSA-Verordnung erklärt. Es sagt jedoch nicht, dass der Handschuh für jede betriebliche Situation geeignet ist.

Norm Themenbereich Worauf achten?
EN ISO 21420 Allgemeine Anforderungen und Prüfverfahren für Schutzhandschuhe Die Norm allein enthält keine vollständige Aussage zur konkreten Schutzleistung.
EN 388 Mechanische Risiken Nicht nur das Piktogramm, sondern die einzelnen Leistungswerte prüfen.
EN ISO 374 Chemikalien und Mikroorganismen Konkreten Stoff, Konzentration, Kontaktdauer, Durchbruchszeit und Herstellerangaben prüfen.
EN 407 Thermische Risiken Art der Wärmebelastung und den jeweils ausgewiesenen Leistungswert beachten.
EN 511 Kälteschutz Kontaktkälte, Konvektionskälte und Wasserdurchdringung getrennt betrachten.
EN 12477 Schutzhandschuhe für Schweißer Schweißverfahren, thermische Risiken und notwendige Fingerfertigkeit berücksichtigen.
EN 455 Medizinische Einmalhandschuhe Nicht mit einem allgemeinen oder uneingeschränkten Chemikalienschutz gleichsetzen.

Die richtige Größe, Passform und Hautverträglichkeit

Ein zu kleiner Handschuh spannt, kann Druckstellen erzeugen und die Beweglichkeit einschränken. Ein zu großer Handschuh verrutscht, bildet überschüssiges Material an den Fingerspitzen und kann präzises Greifen erschweren. Beide Varianten können die notwendige Greifkraft erhöhen und zur Ermüdung beitragen.

Die Handschuhgröße sollte nach der Größentabelle des jeweiligen Herstellers bestimmt werden. Größen können zwischen Herstellern und Modellreihen unterschiedlich ausfallen. Bei gefütterten Modellen sind Innenvolumen und Beweglichkeit besonders zu beachten.

Atmungsaktivität, Innenfutter, Nähte und Druckstellen beeinflussen den Tragekomfort. Flüssigkeitsdichte Handschuhe können Schweißbildung begünstigen. Bei bekannter Latexallergie oder anderen Sensibilisierungen müssen geeignete Alternativen geprüft werden. Die AUVA weist darauf hin, dass auch Handschuhbestandteile Allergien auslösen können.

Ein unbequemer Handschuh wird häufig ausgezogen oder nicht konsequent getragen. Tragekomfort ist daher auch ein Sicherheitsfaktor.

Gut zu Wissen:

Für besonders kleine Hände führen wir ausgewählte Handschuhe bereits in den Größen 3 bis 5. Diese Modelle eignen sich speziell für Kinder, beispielsweise für Gartenarbeiten, Werken oder gemeinsame Projekte mit Erwachsenen. Achten Sie auch hier auf die passende Größe und darauf, dass der Handschuh für die jeweilige Tätigkeit geeignet ist.


Pflege, Kontrolle und Austausch

Schutzhandschuhe sind vor der Verwendung auf Löcher, Risse, starke Abnutzung, beschädigte Nähte und Veränderungen der Beschichtung zu kontrollieren. Feuchte oder durchnässte Handschuhe müssen je nach Anwendung gewechselt werden. Beschädigte PSA darf nicht weiterverwendet werden, wenn die erforderliche Schutzwirkung nicht mehr gegeben ist.

  • Herstellerangaben zu Reinigung, Lagerung und Austausch beachten.
  • Kontaminierte Handschuhe so ausziehen, dass die Haut nicht mit der Außenseite in Kontakt kommt.
  • Einweghandschuhe nicht mehrfach verwenden.
  • Chemikalienschutzhandschuhe gemäß Durchbruchszeit und Wechselplan austauschen.
  • Lederhandschuhe trocken und entsprechend den Pflegehinweisen lagern.
  • Ablaufdaten und zulässige Tragedauer berücksichtigen.

Moser-Tipp:

Definieren Sie klare Austauschregeln pro Handschuhgruppe. „Wechseln, wenn kaputt“ ist bei Chemikalien, Kontamination oder schleichender Materialalterung keine ausreichende Vorgabe.


Häufige Fehler bei der Auswahl und Verwendung

  • Auswahl nur nach Berufsbezeichnung: „Handschuhe für Maurer“ ist zu ungenau, weil Ziegeltragen und Mörtelkontakt unterschiedliche Anforderungen haben.
  • Material mit Eignung gleichsetzen: Leder, Latex oder Nitril sagen allein nicht, wogegen ein Produkt geprüft und geeignet ist.
  • Nur auf das Normpiktogramm achten: Die einzelnen Leistungswerte und Herstellerangaben sind entscheidend.
  • Wasserabweisend mit wasserdicht verwechseln: Beide Begriffe beschreiben unterschiedliche Eigenschaften.
  • Ölbeständigkeit auf Lösungsmittel übertragen: Eine solche Übertragung ist ohne Beständigkeitstabelle nicht zulässig.
  • Schnitthemmend als schnittfest bezeichnen: Auch ein Schnittschutzhandschuh kann durchtrennt werden.
  • Handschuhe an rotierenden Maschinen tragen: Bei Einzugsgefahr dürfen Handschuhe nicht verwendet werden.
  • Falsche Größe ausgeben: Zu kleine und zu große Handschuhe beeinträchtigen Sitz und Handhabung.
  • Beschädigte Handschuhe weiterverwenden: Risse, Löcher und verschlissene Beschichtungen können die Schutzwirkung aufheben.
  • Praxistest auslassen: Normprüfungen sind vergleichbar, bilden aber nicht jede betriebliche Situation ab.

Checkliste für den Kauf von Arbeitshandschuhen

  • ☐ Ist die konkrete Tätigkeit beschrieben?
  • ☐ Sind alle mechanischen, chemischen, thermischen und biologischen Gefahren ermittelt?
  • ☐ Sind Werkstücke trocken, nass, ölig, rau oder scharfkantig?
  • ☐ Besteht ein Einzugsrisiko durch bewegte oder rotierende Teile?
  • ☐ Wie viel Tastgefühl und Fingerbeweglichkeit sind erforderlich?
  • ☐ Welche Leistungswerte verlangt die Gefährdungsbeurteilung?
  • ☐ Sind Sicherheitsdatenblatt und Hersteller-Beständigkeitstabelle geprüft?
  • ☐ Passt die Stulpenlänge zum möglichen Kontakt?
  • ☐ Wurde die richtige Größe anhand der Herstellerangaben bestimmt?
  • ☐ Wurden Tragekomfort und Hautverträglichkeit berücksichtigt?
  • ☐ Wurde ein Praxistest mit Beschäftigten durchgeführt?
  • ☐ Sind Wechsel-, Reinigungs-, Lagerungs- und Entsorgungsregeln festgelegt?

Sobald Sie die Anforderungen an Schutz, Griff, Material und Passform festgelegt haben, können Sie die passenden Arbeitshandschuhe im Sortiment vergleichen.


FAQ: Häufige Fragen zu Arbeitshandschuhen

Welcher Arbeitshandschuh ist für die Baustelle geeignet?

Das hängt von der konkreten Tätigkeit ab. Für trockenes Holz, Ziegel, feuchten Beton, Bewehrungsstahl und kleine Montagearbeiten können unterschiedliche Handschuhe erforderlich sein. Einen universellen Bauhandschuh gibt es nicht.

Sind Lederhandschuhe für Betonarbeiten geeignet?

Nicht automatisch. Bei direktem Kontakt mit feuchtem Beton oder Mörtel sind Flüssigkeitsbeständigkeit und Eignung für den konkreten Baustoff zu prüfen. Sicherheitsdatenblatt und Herstellerinformationen sind maßgeblich.

Was bedeutet EN 388?

EN 388 betrifft Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken. Für die Auswahl sind die einzelnen angegebenen Leistungswerte relevant. Ein hoher Wert in einem Bereich lässt sich nicht auf andere mechanische Gefahren übertragen.

Sind Nitrilhandschuhe gegen alle Chemikalien beständig?

Nein. Die Beständigkeit hängt vom konkreten Stoff, der Konzentration, der Temperatur und der Kontaktdauer ab. Eine Hersteller-Beständigkeitstabelle ist erforderlich.

Was ist der Unterschied zwischen wasserabweisend und wasserdicht?

Wasserabweisende Materialien verzögern die Aufnahme von Feuchtigkeit. Wasserdichte Handschuhe sollen das Eindringen unter definierten Bedingungen verhindern. Wasserdichtheit ist jedoch kein Nachweis für Chemikalienbeständigkeit.

Darf man an einer Drehmaschine Arbeitshandschuhe tragen?

Nicht, wenn die Gefahr besteht, dass der Handschuh von bewegten oder rotierenden Teilen erfasst wird. Die österreichische Arbeitsinspektion nennt Drehmaschinen ausdrücklich als Beispiel für eine solche Einzugsgefahr.

Wie lässt sich die richtige Handschuhgröße bestimmen?

Verwenden Sie die Größentabelle des jeweiligen Herstellers und prüfen Sie den Sitz am konkreten Modell. Der Handschuh soll weder spannen noch an den Fingern verrutschen.

Wann müssen Arbeitshandschuhe ausgetauscht werden?

Bei Rissen, Löchern, starker Abnutzung, beschädigter Beschichtung, Kontamination oder Ablauf der vorgesehenen Nutzungsdauer. Bei Chemikalienschutzhandschuhen gelten zusätzlich die Herstellerangaben und festgelegten Wechselintervalle.



Quellen und weiterführende Informationen

  • AUVA – M 705 Schutzhandschuhe: Fachinformationen zur Auswahl, Kennzeichnung und Verwendung von Schutzhandschuhen sowie zu mechanischen, chemischen, thermischen und weiteren Gefährdungen. AUVA-Merkblatt öffnen
  • Arbeitsinspektion Österreich – Hand- und Armschutz: Informationen zur Gefährdungsbeurteilung, Passform, Chemikalienbeständigkeit und zur Verwendung von Handschuhen an bewegten oder rotierenden Maschinenteilen. Informationen der Arbeitsinspektion öffnen
  • Franz Moser GmbH – Arbeitsschutzhandschuhe: Übersicht über verfügbare Handschuharten, Materialien, Beschichtungen und typische Einsatzbereiche. Zum Handschuhsortiment

Hinweis: Für die Auswahl eines konkreten Handschuhs sind zusätzlich die aktuellen Herstellerangaben, Produktdatenblätter, Konformitätserklärungen und gegebenenfalls Chemikalien-Beständigkeitstabellen zu beachten.

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