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Absturzsicherung: Sicher im Fall des Falles!

Arbeiten auf Dächern, Gerüsten, Hubarbeitsbühnen oder erhöhten Arbeitsplätzen gehören im Baugewerbe, in der Metallverarbeitung und in vielen Handwerksbetrieben zum Arbeitsalltag. Gleichzeitig zählen Abstürze aus der Höhe nach wie vor zu den häufigsten Ursachen schwerer Arbeitsunfälle.

Eine professionelle Absturzsicherung ist daher nicht nur gesetzliche Verpflichtung, sondern vor allem eine Investition in die Sicherheit Ihrer Mitarbeiter. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) gestellt werden, wann eine Überprüfung notwendig ist und worauf Unternehmen bei der Auswahl der richtigen Ausrüstung achten sollten.

Kurz erklärt

Absturzsicherung umfasst alle Maßnahmen, die Personen bei Arbeiten in der Höhe vor Abstürzen schützen. Dazu zählen sowohl kollektive Schutzmaßnahmen wie Geländer oder Sicherheitsnetze als auch persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA). In Österreich müssen Arbeitgeber sicherstellen, dass geeignete Schutzmaßnahmen vorhanden sind und die eingesetzte Ausrüstung regelmäßig geprüft wird.


Was versteht man unter Absturzsicherung?

Unter Absturzsicherung versteht man sämtliche Maßnahmen, die verhindern sollen, dass Personen bei Arbeiten in der Höhe abstürzen oder die Folgen eines Absturzes minimieren.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen:

  • Kollektivschutz (z. B. Geländer, Seitenschutz, Sicherheitsnetze)
  • Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA)

Kollektive Schutzmaßnahmen haben grundsätzlich Vorrang. Ist deren Einsatz technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar, kommt die persönliche Absturzsicherung zum Einsatz.


Welche Bestandteile gehören zur PSAgA?

Eine vollständige persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz besteht je nach Einsatzbereich aus mehreren Komponenten:

Auffanggurt

Der Auffanggurt bildet die Grundlage jeder Absturzsicherung. Er verteilt die beim Auffangen eines Sturzes auftretenden Kräfte möglichst gleichmäßig auf den Körper.

Verbindungsmittel

Verbindungsmittel verbinden den Anwender mit einem geeigneten Anschlagpunkt. Moderne Systeme verfügen häufig über integrierte Falldämpfer, die die Belastung im Absturzfall reduzieren.

Anschlageinrichtungen

Anschlagpunkte müssen ausreichend tragfähig sein und den geltenden Normen entsprechen. Sie können dauerhaft installiert oder temporär verwendet werden.

Schutzhelm mit Kinnriemen

Bei Arbeiten mit Absturzgefahr schützt ein geeigneter Schutzhelm vor Kopfverletzungen und verhindert durch einen Kinnriemen das Verrutschen oder Verlieren des Helms.

Wann ist eine Absturzsicherung erforderlich?

Eine Absturzsicherung wird immer dann notwendig, wenn Arbeiten in Bereichen mit Absturzgefahr durchgeführt werden. Typische Einsatzbereiche sind:

  • Dacharbeiten
  • Arbeiten auf Gerüsten
  • Montagearbeiten im Stahlbau
  • Wartungsarbeiten an Maschinen und Anlagen
  • Arbeiten auf Hubarbeitsbühnen
  • Arbeiten an Fassaden
  • Hallen- und Industriebau

Die genauen Anforderungen richten sich nach den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben sowie der durchzuführenden Gefährdungsbeurteilung.

In Österreich ergeben sich die Anforderungen an die Absturzsicherung unter anderem aus dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) sowie der Bauarbeiterschutzverordnung (BauV). Arbeitgeber sind verpflichtet, Gefahren zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen bereitzustellen. Dabei gilt grundsätzlich: Kollektive Schutzmaßnahmen haben Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz.

Anwenderschulung: Der entscheidende Sicherheitsfaktor

Selbst die hochwertigste Ausrüstung bietet keinen ausreichenden Schutz, wenn sie nicht korrekt verwendet wird.

Mitarbeiter müssen daher regelmäßig in folgenden Bereichen unterwiesen werden:

  • richtiges Anlegen des Auffanggurtes
  • Auswahl geeigneter Anschlagpunkte
  • korrekte Verwendung von Verbindungsmitteln
  • Rettungsmaßnahmen nach einem Absturz
  • Erkennen von Beschädigungen und Verschleiß

Regelmäßige Schulungen erhöhen nicht nur die Sicherheit, sondern stärken auch das Sicherheitsbewusstsein im Unternehmen.


Welche Normen gelten für Absturzsicherung und PSAgA?

Für die persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz gelten verschiedene europäische Normen. Sie stellen sicher, dass Ausrüstung und Systeme definierten Sicherheitsanforderungen entsprechen.

Norm Bedeutung
EN 361 Auffanggurte
EN 362 Verbindungselemente / Karabiner
EN 363 Auffangsysteme
EN 355 Falldämpfer
EN 365 Anforderungen an Prüfung und Kennzeichnung

Wie oft muss eine Absturzsicherung geprüft werden?

Die regelmäßige Prüfung der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeitssicherheit. Selbst hochwertige Auffanggurte, Verbindungsmittel oder Karabiner können durch Witterungseinflüsse, mechanische Belastungen oder unsachgemäße Lagerung beschädigt werden. Deshalb gelten für Absturzsicherungssysteme klare Prüfpflichten.

Sichtprüfung vor jedem Einsatz

Vor jeder Verwendung sollte die Ausrüstung durch den Anwender sorgfältig kontrolliert werden. Dabei sind insbesondere folgende Punkte zu überprüfen:

  • Beschädigungen an Gurten, Nähten und Schlaufen
  • Risse, Schnitte oder Abriebspuren
  • Korrosion oder Verformungen an Karabinern und Metallteilen
  • Funktionsfähigkeit von Verschlüssen und Verstellelementen
  • Lesbarkeit von Kennzeichnungen und Prüfetiketten

Werden Mängel festgestellt, darf die Ausrüstung nicht weiterverwendet werden und muss umgehend von einer sachkundigen Person beurteilt werden.

Jährliche Sachkundigenprüfung

Zusätzlich zur Sichtprüfung ist eine umfassende Prüfung durch eine sachkundige Person mindestens einmal pro Jahr vorgeschrieben. Dabei werden sämtliche Komponenten der Absturzsicherung detailliert kontrolliert und auf ihre sichere Verwendbarkeit geprüft.

Die Prüfung umfasst unter anderem:

  • Zustand von Auffanggurten und Verbindungsmitteln
  • Kontrolle der Nähte und tragenden Elemente
  • Überprüfung von Karabinern, Falldämpfern und Anschlageinrichtungen
  • Bewertung von Verschleiß, Alterung und Materialermüdung
  • Dokumentation der Prüfergebnisse

Die erfolgte Prüfung muss nachvollziehbar dokumentiert werden. Häufig erfolgt dies über Prüfbücher, digitale Prüfprotokolle oder Prüfplaketten direkt an der Ausrüstung.

Art der Prüfung Zeitpunkt
Sichtprüfung durch Anwender vor jedem Einsatz
Sachkundigenprüfung mindestens einmal jährlich
Nach einem Absturz sofortige Überprüfung
Bei sichtbaren Schäden sofortige Außerbetriebnahme

Wann muss PSAgA zusätzlich geprüft oder ersetzt werden?

Neben den regelmäßigen Prüfintervallen gibt es Situationen, in denen eine sofortige Kontrolle oder sogar ein Austausch erforderlich ist:

  • nach einem aufgefangenen Absturz
  • bei sichtbaren Beschädigungen
  • nach Kontakt mit Chemikalien oder extremen Temperaturen
  • bei Zweifeln an der sicheren Funktion
  • wenn die vom Hersteller angegebene maximale Nutzungsdauer erreicht wurde

Insbesondere nach einem Absturz dürfen betroffene Komponenten in der Regel nicht weiterverwendet werden, bis sie von einer sachkundigen Person überprüft oder ersetzt wurden.

Warum sind regelmäßige Prüfungen so wichtig?

Die jährliche Prüfung ist weit mehr als eine gesetzliche Verpflichtung. Sie stellt sicher, dass die Absturzsicherung im Ernstfall zuverlässig funktioniert. Beschädigungen oder Materialermüdungen sind oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, können aber die Schutzwirkung erheblich beeinträchtigen.

Regelmäßige Kontrollen schützen daher nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter, sondern helfen Unternehmen auch dabei, Haftungsrisiken zu minimieren und die Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften nachzuweisen.


Checkliste für sichere Arbeiten in der Höhe

Vor Arbeitsbeginn sollte geprüft werden:

  • Auffanggurt korrekt angelegt
  • Anschlagpunkt geeignet und geprüft
  • Verbindungsmittel unbeschädigt
  • Schutzhelm mit Kinnriemen vorhanden
  • Letzte Sachkundigenprüfung dokumentiert
  • Rettungskonzept vorhanden

Häufige Fehler bei der Absturzsicherung

In der Praxis treten immer wieder dieselben Sicherheitsmängel auf:

  • fehlende oder ungeeignete Anschlagpunkte
  • nicht geschulte Anwender
  • überschrittene Prüffristen
  • beschädigte Verbindungsmittel
  • falsch eingestellte Auffanggurte
  • fehlende Rettungskonzepte

Bereits kleine Fehler können im Ernstfall schwerwiegende Folgen haben.


Darauf sollten Unternehmen bei der Auswahl achten

Bei der Auswahl von Absturzsicherungssystemen spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • Einsatzbereich und Arbeitshöhe
  • Bewegungsfreiheit des Anwenders
  • Normenkonformität
  • Tragekomfort
  • Wartungsaufwand
  • Kompatibilität der einzelnen Komponenten

Eine fachkundige Beratung hilft dabei, die passende Lösung für den jeweiligen Einsatzbereich zu finden.


FAQ zur Absturzsicherung und PSAgA

Ab wann ist eine Absturzsicherung erforderlich?

Eine Absturzsicherung ist erforderlich, sobald bei Arbeiten in der Höhe eine Absturzgefahr besteht. Die konkreten Anforderungen hängen von den geltenden Vorschriften, der Arbeitshöhe sowie der Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes ab.

Was bedeutet PSAgA?

PSAgA steht für „Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz“. Dazu zählen unter anderem Auffanggurte, Verbindungsmittel, Falldämpfer, Anschlagpunkte und Schutzhelme, die Personen bei Arbeiten in absturzgefährdeten Bereichen schützen.

Wer darf persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz verwenden?

PSAgA darf nur von Personen verwendet werden, die entsprechend unterwiesen und geschult wurden. Anwender müssen die richtige Handhabung der Ausrüstung kennen und wissen, wie sie sich im Notfall verhalten müssen.

Wie lange darf ein Auffanggurt verwendet werden?

Die Lebensdauer eines Auffanggurtes hängt von Herstellerangaben, Einsatzbedingungen und dem Zustand der Ausrüstung ab. Beschädigte oder überalterte Gurte müssen sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Maßgeblich sind stets die Herstellerangaben.

Was ist der Unterschied zwischen Haltesystem und Auffangsystem?

Ein Haltesystem verhindert, dass der Anwender überhaupt in einen absturzgefährdeten Bereich gelangen kann. Ein Auffangsystem hingegen stoppt einen bereits eingetretenen Absturz und reduziert die dabei auftretenden Kräfte.

Welche Arbeiten erfordern besonders häufig eine Absturzsicherung?

Typische Einsatzbereiche sind Dacharbeiten, Fassadenarbeiten, Stahlbau, Gerüstbau, Arbeiten auf Hubarbeitsbühnen, Wartungsarbeiten an Maschinen und Anlagen sowie Montagearbeiten in Industriehallen.

Wer ist für die Bereitstellung der Absturzsicherung verantwortlich?

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, geeignete Schutzmaßnahmen bereitzustellen und sicherzustellen, dass die eingesetzte Ausrüstung den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Ebenso muss er für die notwendige Unterweisung der Mitarbeiter sorgen.

Was passiert nach einem aufgefangenen Absturz?

Nach einem Absturz muss die betroffene Person möglichst rasch gerettet werden. Bereits nach kurzer Zeit kann ein sogenanntes Hängetrauma auftreten. Deshalb sollte für Arbeiten mit PSAgA immer ein Rettungskonzept vorhanden sein.

Welche Normen gelten für Auffanggurte und Absturzsicherung?

Für Auffanggurte und Systeme zur Absturzsicherung gelten verschiedene europäische Normen, darunter beispielsweise EN 361 für Auffanggurte, EN 362 für Verbindungselemente oder EN 363 für Auffangsysteme. Zusätzlich sind nationale Arbeitsschutzvorschriften zu beachten.

Wer darf PSAgA prüfen?

Die jährliche Prüfung darf ausschließlich von einer sachkundigen Person durchgeführt werden. Diese muss über die erforderlichen Fachkenntnisse verfügen und mit den jeweiligen Herstellervorgaben sowie den geltenden Normen vertraut sein.

Ist die jährliche Prüfung gesetzlich vorgeschrieben?

Ja. Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz muss regelmäßig geprüft werden. In der Praxis erfolgt dies mindestens einmal jährlich durch eine sachkundige Person sowie zusätzlich nach besonderen Ereignissen wie einem Absturz oder bei erkennbaren Beschädigungen.

Wie wird die Prüfung dokumentiert?

Die Prüfergebnisse werden üblicherweise in Prüfbüchern, digitalen Prüfprotokollen oder auf Prüfplaketten dokumentiert. Die Dokumentation dient als Nachweis gegenüber Behörden, Auftraggebern und Versicherungen


Fazit

Absturzsicherung ist ein zentraler Bestandteil des modernen Arbeitsschutzes. Die richtige Kombination aus hochwertiger PSAgA, regelmäßiger Überprüfung und umfassender Mitarbeiterschulung reduziert das Risiko schwerer Unfälle erheblich.

Unternehmen, die auf geprüfte Ausrüstung und professionelle Beratung setzen, erfüllen nicht nur gesetzliche Anforderungen, sondern investieren aktiv in die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter.

Sie benötigen Unterstützung bei der Auswahl von Auffanggurten, Verbindungsmitteln, Schutzhelmen oder kompletten Absturzsicherungssystemen? Unsere Fachberater unterstützen Sie gerne bei der Auswahl der passenden Lösung für Ihren Einsatzbereich.


Beratung zur Absturzsicherung anfragen

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